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VITA VON LEX
1977 war ich dick und rosa und damit begann ich meinen Eltern bereits Sorgen zu machen. Heute kann man sich das Kind vorher ein bißchen gentechnisch zurecht basteln lassen. In Ostberlin war das damals nicht möglich. Alle Säuglinge waren gleich.

Meine ersten Kindheitserinnerungen verschwimmen - ich weiß nicht ob ich sie selbst erlebt oder auf Fotos gesehen und
erklärt bekommen habe. Sicher ist, daß ich besorgt war, der Geschichtenerzähler von der Schallplatte könnte schon weitererzählen, bevor meine Eltern die Platte umdrehten. In diesen Situationen war ich ein Terrorkind, das meine Eltern nicht verdient haben, aber wie gesagt, gentechnisch war da ja nichts zu machen. Ob ich auch ein Terrorbruder war, muß meine Schwester entscheiden. An der Ostsee mußte ich immer an ihrem Verkaufstand vorbeikommen um Eis zu kaufen, aber das Eis bestand nur aus geformten Sand und als Geld dienten Muscheln und Steine. Das habe ich bis heute nicht verstanden.

Was mich und meine Eltern erfreute, war die Tatsache, daß ich meine Dickheit langsam ablegte. Außerdem mußten sie keine Schallplatten mehr umdrehen, denn ich begann selbst zu lesen.
Um Mädchen zu beeindrucken begann ich Krach auf einem Instrument zu machen, dessen Name ich vergessen habe. Bis ich Jahre später bemerkte, daß ich den Mädchen nur als Projektionsfläche für ihre Mädchenträume diente, was eigentlich aber gar nicht so schlecht ist, wenn ich es mir recht überlege.

Die Schule war aus und ich war ganz verwirrt und drückte mich um eine Entscheidung, was ich so machen werde in meinem Leben. Der Berufsberater winkte nur ab, als er mich sah und sagte, ich solle Berufsberater oder Lehrer werden und dann bot er mir einen Schluck aus seinem Flachmann an. Das machte mich sehr betrübt.

Eines Tages fiel ich beim Pilze sammeln auf eine Wurzel, und ein Blaubeerstrauch sprach zu mir: Mein lieber Lex, ich beobachte dich wohlwollend schon seit Jahren. Als Musiker warst du so Lali - Lala, aber was du da so schreibst, das hat doch Hand und Fuß. Heiliger Vater, dachte ich da, das ist es! Schreiben macht Spaß und man kann die Mädchen beim Vorlesen beindrucken.

Heute bin ich ein Maulheld wie der verträumte Sonnenstrahl, der freche K.Lypse und der lange Lars es sind. Ich habe diese Glücksritter und Windmühlenflügelkämpfer sehr gern. Zusammen sind wir eine großartige Wortband.
Neu
Ein neue Hörprobe von unserem Live-Mitschnitt am 16.12.04 ist online.
Kurzlyrik
Hoch hinaus!

Um eine Burg zu bauen,
braucht man mindestens Sand.


K.Lypse

Zitat
Wie eigenartig, daß man in einem solchen sonnendurchglühten Augenblick denkt, das ganze Leben liege noch vor einem, während sich später herausstellt, daß ein solcher Moment das wahre Leben ist.


Maarten ’t Hart, Das Wüten der ganzen Welt