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VITA VON DASLARS
Wenn mich heute jemand nach meiner Geburt fragt, muss ich sagen: "Tut mir leid, ich kann mich nicht erinnern, aber nach allem was man davon hört, kann davon ausgehen, dass ich dabei gewesen bin". Auch die Zeit danach liegt für mich im Dunkeln.
Allerdings wurden meine ersten Begegnungen mit dem Wort dokumentiert. Meine Mutter hat jedes in der richtigen
Reihenfolge für mich aufgeschrieben. Das Heft ging verloren, bevor ich lesen konnte, aber sicher ist: Ich sprach, bevor ich laufen konnte.

Nicht dass ich das als frühe Zuneigung zur Sprache überbewerten möchte. Fakt ist einfach, dass ich noch heute ungewöhnlich oft stolpere. Ich habe offensichtlich schon früh Prioritäten gesetzt und damit auf aufgeschürfte Knie.

Meine Schulzeit kann als normal beschrieben werden. Ich war nicht öfter das Ziel von Spott, als andere auch. Zumindest nicht öfter, als die, die oft das Ziel von Spott sind. Motorik ist nicht meine Stärke. Ich galt immer als eher naturwissenschaftlich begabt, vieles sprach dafür und ich habe das sogar geglaubt - es gab nur ein Problem: Es interessierte mich nicht wirklich.

Dann kam die Pubertät, und ich begann eine intensive Affäre mit der Schülerzeitung "Bennos Hütte". Hätte ich gewusst, dass gleich aus der ersten Liebe, eine lange Beziehung wird, wäre ich sicherlich zögerlicher gewesen. So stürzte ich mich zusammen mit meinen Mitstreitern in die Sprachfluten. Wir badeten in diesem textgewaltigen Ozean und schwammen weit hinaus, weiter als es uns erlaubt war. Wir lernten, uns die Buchstaben Untertan zu machen. Nur mit den Worten kämpfen wir noch heute. Wir segelten auf den Wogen und erlaubten dem Wind, unsere Haare zu raufen.

Nach dem Abitur war die Schule zu Ende. Der Wind blies jetzt aus einer anderen Richtung. Die Schülerzeitung lag auf Grund.

Ich lernte Bankkaufmann. Das klingt nach Verrat, aber  meine heimliche Liebe galt weiterhin dem Schreiben. Als die Sehnsucht für uns alle zu groß wurde, haben wir die Hütte, wie wir sie liebevoll nennen, gehoben, sie mit einem Netz ins Netz gehievten und lieben sie unter www.bennoshuette.de bis heute.

Dass ich Bankkaufmann bin, erzähle ich keinem. Auch nicht den Maulhelden. Seit K.Lypse auf mein spätes Geständnis: "Das macht dich jetzt auch nicht mehr unsympathisch!" erwiderte, fühle ich mich in meinem Vorgehen bestätigt. Selbst wenn ich heute keine Banken mehr verkaufe.

Heute bin ich Maulheld. Das heißt für mich einen Hafen gefunden zu haben, vom dem ich immer wieder in die raue See der Sprache stoßen kann. Das klingt jetzt sehr pathetisch, wie aus einem Roman von Utta Danella. Aber dafür schäme ich mich nicht. Ich würde die Jungs alle samt heiraten. Wenn ich dürfte.
Neu
Ein neue Hörprobe von unserem Live-Mitschnitt am 16.12.04 ist online.
Kurzlyrik
Hoch hinaus!

Um eine Burg zu bauen,
braucht man mindestens Sand.


K.Lypse

Zitat
Der Vorsichtige (...) riskiert in Wahrheit genauso viel wie der Kühne; er verzichtet nur obendrein auf den Rausch der Kühnheit.


Sebatian Haffner, Geschichte eines Deutschen